Gutartige Vergrößerung der Prostata
Aufgaben und Funktion der Prostata
Die Prostata bildet ein Sekret, das den Spermien nach der Ejakulation optimale Bedingungen für das Überleben in der weiblichen Scheide schaffen soll. Über 95 % der bei einem Samenerguß ausgestoßenen Flüssigkeit kommen aus der Prostata.
Anatomie
Die Prostata liegt unterhalb der Blase und umschließt die Harnröhre. In diesen Anteil der Harnröhre, der durch die Prostata zieht, münden die feinen Ausführungsgänge, durch die das Prostatasekret in die Harnröhre und bei der Ejakulation dann nach außen befördert wird. Hier findet man auch die Mündung der Samenleiter und der Samenblase, aus denen die Spermien vom Hoden her kommen.
Oberhalb und unterhalb der Prostata befinden sich der innere und der äußere Schließmuskel. Der äußere Schließmuskel sorgt für die Kontinenz, d.h. dafür, daß kein Urin unfreiwillig verloren geht. Der innere Schießmuskel zwischen Prostata und Blase hat in erster Linie die Funktion, die Harnröhre bei einer Ejakulation zur Blase hin abzudichten, so daß die Samenflüssigkeit nach außen und nicht in die Blase geleitet wird.
Die Größe der Prostata wird beim jungen Mann mit ca. 15 g angegeben („kastaniengroß“). Mit zunehmendem Alter entwickelt sich unter dem Einfluß des Testosterons die Drüse oft aber auf ein Vielfaches dieser Größe.
Symptomatik
Die Symptomatik ist vielgestaltig und läßt keinen Rückschluß auf einen gutartigen oder bösartigen Charakter der Vergrößerung zu.
Brennende Schmerzen beim Wasserlassen und insbesondere bei der Ejakulation weisen eher auf eine entzündliche Ursache.
Blut im Urin ist oft auf eine Vergrößerung und die dabei oft vorliegende Bildung von Krampfadern zu erklären – Blut im Urin kann aber auch ein frühes Symptom einer Tumorbildung im Harntrakt sein.
Die typischen Zeichen einer Prostatavergrößerung sind irritative oder mechanische Störungen des Wasserlassens. Zu den irritativen Beschwerden zählen ein häufiger Harndrang, häufiges oder nächtliches Wasserlassen, nochmaliger Harndrang kurz nach dem Wasserlassen. Mechanische Behinderungen sind an Abschwächungen des Harnstrahls bis hin zur Unfähigkeit, die Blase zu entleeren zu erkennen. Dieser Harnverhalt ist immer als Notfall einzustufen, da sich der Urin hierbei auch schon bis in die Nieren hinauf stauen kann.
Untersuchungen
Zu Anfang der Untersuchung steht natürlich die möglichst genaue Erfassung Ihrer Beschwerden und ihrer Vor- und Begleiterkrankungen. Hier können sich bereits erste Zusammenhänge ergeben. Sehr wichtig ist für den Arzt auch die Kenntnis über die von Ihnen eingenommen Medikamente, um erkennen zu können, ob hier Ursachen für Ihre Beschwerden liegen oder ob bestimmte Medikamente bei Ihnen nicht eingesetzt werden können.
Bei der körperlichen Untersuchung stehen der Genitalbereich und die Abtastung der Prostata sowie der Bauchraum und die Nierenlager im Vordergrund. Die Abtastung der Prostata ist immer noch die Grundlage einer Beurteilung der Prostata.
Ultraschalluntersuchungen der Niere und der Prostata erweitern dann die Untersuchung. Für die Ultraschalluntersuchung der Prostata benutzen Urologen einen besonderen Schallkopf, der wie der Finger durch den After eingeführt wird (transrektaler Ultraschall, TRUS). Der geringe Abstand zwischen Organ und Sonde ermöglicht eine deutlich feinere Auflösung als mit herkömmlichen Sonden. Beurteilt werden die Größe der Prostata, die innere Echostruktur und evtl. kapselüberschreitende Veränderungen.
Laborchemisch werden die harnpflichtigen Substanzen zur Kontrolle der Nierenfunktion und der Urin untersucht. Mikrobiologische Untersuchungen schließen sich ggf. an. Hinweise auf bösartige Veränderungen gehört auch der PSA-Wertes und ggf. auch des freien PSA. In der sogenannten Expertenpresse finden sich immer wieder Aussagen, dass durch die regelmäßige Bestimmung des PSA keine Verbesserung der Überlebenszeiten beim Prostatakrebs erzielt werden. Diese Aussagen sind durch zahlreiche wissenschaftliche Studien eindeutig als falsch widerlegt, tauchen aber wie ein falsches Gerücht immer wieder auf.
Der Grad einer Abschwächung des Harnstrahls wird im Uroflow untersucht. Hierbei uriniert der Patient in ein trichterförmiges Gerät, wobei die Flussgeschwindigkeit des Urins (ml/s) gegen die Zeit aufgetragen wird. Am Verlauf dieser Kurve und an einzelnen Messparametern sind dann funktionelle Veränderungen bei Wasserlassen zu erkennen. Ergänzt wird der Uroflow durch die mit Ultraschall durchgeführte Kontrolle, ob die Blase vollständig entleert ist, oder wie hoch die Restharnmenge ist.
Therapie
Die Therapie einer Prostatavergrößerung oder von Prostatabeschwerden ist immer eine individuell für den einzelnen Patienten maßgeschneiderte Behandlung, die auf den beschriebenen Voruntersuchungen basieren und sich an standardisierten Leitlinien orientieren.
Stehen irritative Beschwerden im Vordergrund und liegt keine mechanische Behinderung des Harnstrahls vor, können die seit Jahrzehnten eingesetzten pflanzlichen Produkte sinnvoll sein. Bei zunehmender Obstruktion und zunehmender Größe der Prostata stehen seit einigen Jahren neue Präparate (Alpha-Blocker, 5-Alpha-Reductase-Hemmer) zur Verfügung, die einzeln oder auch kombiniert verordnet werden können.
Wenn die Restharnmenge unter der medikamentösen Therapie zunimmt oder nach Harnverhalten muss eine operative Behandlung erwogen werden. Hierbei ist die transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P) immer noch das Verfahren der Wahl. Neuerdings kommt einer Laserbehandlung insbesondere bei Patienten mit erhöhtem OP-Risiko zunehmende Bedeutung zu. Bei der TUR-P werden die vergrößerten Anteile der Prostata durch die Harnröhre „abgehobelt“, die Prostatakapsel und damit die Kontinuität der Harnwege wird erhalten. Die Möglichkeit einer späteren bösartigen Veränderung bleibt dadurch unverändert.
Alternative Verfahren wie Kälte- oder Wärmetherapie werden in den letzten Jahren immer wieder erwähnt, haben allerdings keinen Vorteil über die beschriebenen Methoden beweisen können.
Sofern operative Behandlungsmöglichkeiten wegen anderer Begleiterkrankungen nicht durchgeführt werden können, kann eine dauerhafte Ableitung über einen Dauerkatheter erforderlich werden. Dieser wird üblicherweise direkt durch die Bauchdecke oder bisweilen auch durch die Harnröhre in die Blase eingelegt.



